Handelsblatt Green & Energy - Der Podcast rund um Nachhaltigkeit, Klima und Energiewende
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Bremst die Bundesnetzagentur die Energiewende aus, Klaus Müller?

August 25, 2026

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Bundesnetzagentur im Spannungsfeld der Energiewende

Die Bundesnetzagentur ist mehr als eine normale Behörde: Sie bestimmt maßgeblich mit, wer wie viel für seinen Strom bezahlt, welche Kraftwerke in Reserve bleiben und wie viel Rendite Netzbetreiber erwirtschaften dürfen. Ihr Chef Klaus Müller steht dabei zwischen milliardenschweren Investitionsentscheidungen, Lobbykämpfen und politischen Vorgaben – und muss in einem dicht besiedelten Land mit vielen konkurrierenden Interessen Kompromisse finden.

Warum Regulierungen so lange dauern

Wenn die Bundesnetzagentur eine neue Festlegung trifft, etwa zur Reform der Netzentgelte (intern "Agnes" genannt), vergehen oft anderthalb Jahre von den ersten Workshops bis zur endgültigen Entscheidung. Müller verteidigt dieses Tempo: "Entscheidungen, die die Bundesnetzagentur trifft, haben in der Regel ja auch Konsequenzen." Es gehe um "Weichenstellungen für milliardenschwere Investitionen", und eine Behörde mit so weitreichendem Mandat müsse "sehr, sehr gut begründen, warum sie etwas tut".

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What you'll learn

  • 1 (00:39) **Spannungsfeld der Behörde: 700 Klagen bei 850 Netzbetreibern** - Müller räumt die hohe Klagequote ein und benennt die daraus resultierende Unsicherheit als zentrales Problem der Regulierungsarbeit.
  • 2 (03:38) **Warum im Sommer neue Regulierungsentwürfe erscheinen** - Müller erklärt die langen Vorlaufzeiten komplexer Festlegungen wie „Agnes“ (Netzentgeltreform) und „Missbrauchsfestlegung“ (Batteriespeicher).
  • 3 (05:27) **Die umstrittene „Agnes“-Regelung: Höherer Grundpreis für PV-Besitzer ab 2029** - Müller verteidigt den Vorschlag, Prosumer (Haushalte mit Solaranlage) stärker an den Netzkosten zu beteiligen.
  • 4 (08:06) **Bremsen lange Prozesse die Energiewende aus?** - Müller verteidigt die langen Konsultationsfristen als notwendig für die Qualität und Rechtssicherheit milliardenschwerer Entscheidungen.
  • 5 (11:08) **Der Ärger auf dem Petersberg: Müller kritisiert Anwälte als „Geschäftsmodell“** - Eine Schlüsselszene, in der Müller die Anwaltschaft für die Flut von Klagen gegen die Behörde verantwortlich macht.
  • 6 (14:42) **Kann die Energiewende in Deutschland überhaupt noch gestaltet werden?** - Müller verneint die Frage nach einem maximalen Kompromiss und beschreibt die Notwendigkeit von Preissignalen und Kompromissen in einer dicht besiedelten Demokratie.
  • 7 (17:47) **Die Kernfrage: Höhere Renditen für Netzbetreiber oder günstigere Strompreise?** - Müller bestätigt, dass die Verzinsung des Eigenkapitals für Netzbetreiber steigen wird, um Investitionen anzuziehen.

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Show Notes

Keine Behörde hat so viel Macht über die Energiewende wie die Bundesnetzagentur: Der Europäische Gerichtshof hat ihr vor fünf Jahren mehr Kompetenzen zugesprochen – jetzt führt sie nicht nur Anweisungen des Bundeswirtschaftsministeriums aus, sondern gestaltet auch selbst wichtige Regulierungen. Sie betreffen Solaranlagenbesitzer, die Batteriespeicherbranche, Gasversorgung und Gaskraftwerke sowie die Renditen der Netzbetreiber – und damit auch den größten Kostenfaktor der Energiewende.

Entsprechend häufig werden Entwürfe der Bundesnetzagentur zum Politikum: Oft geht es darum, Kosten von einer Gruppe hin zu einer anderen zu verschieben, und Lobbyverbände tragen ihre Kämpfe darüber teils in Diskussionsrunden bei der Behörde, teils aber auch über Medien oder über Anwälte aus.

„Die Klagefreudigkeit im Energiebereich ist schon echt knackig“, sagte Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller vor einigen Wochen bei einer Anwältekonferenz. Man könne nicht beklagen, wie langsam Behörden seien, „und dann fröhlich die nächste Hundertschaft an Netzbetreibern einsammeln, um gegen die Bundesnetzagentur noch mal eine weitere Klage zu führen.“

Im Handelsblatt-Podcast erzählt Müller, dass wegen einer neuen Netzregulierung inzwischen 700 von 850 deutschen Netzbetreibern Klagen bei der Behörde eingereicht hätten – das sei in einem Rechtsstaat legitim, schüre aber eben auch Unsicherheit.

Beim Thema Kohleausstieg stellt sich Müller an die Seite der Bundesregierung. Die hat jüngst entschieden, die Entscheidung über ein endgültiges Kohle-Aus in NRW bis 2030 noch bis ins kommende Frühjahr zu verschieben. Eigentlich sollte die Entscheidung in diesem August fallen. Müller sagt, die Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke, die im September anstehen, würden erheblich mehr Planungssicherheit bringen: „Darum glaube ich, dass das Bundeswirtschaftsministerium eine sehr vernünftige, pragmatische Entscheidung getroffen hat.“

Konflikte zwischen ihm als Grünen-Mitglied und CDU-Ministerin Katherina Reiche räumt Müller nicht ein. Er komme mit seiner Chefin „total super“ politisch überein. „Man redet miteinander, man tauscht Sachargumente aus.“ Im Podcast äußert sich Müller auch zu der Frage, ob er glaubt, auch nach dem regulären Ende seiner Amtszeit Anfang 2027 unter Reiche als Netzagentur-Chef weitermachen zu dürfen.

Moderiert von Catiana Krapp

Produziert von Leonard Dumke


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