Handelsblatt Economic Challenges - Podcast über Wirtschaft, Konjunktur, Geopolitik und Welthandel
Handelsblatt Economic Challenges - Podcast über Wirtschaft, Konjunktur, Geopolitik und Welthandel

Rätsel AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt: Warum eine migrationsfeindliche Partei in einem alternden Bundesland so stark ist

September 4, 2026

AI Summary

5 min read

In Sachsen-Anhalt, wo die Bevölkerung rapide altert und die Wirtschaft ohne Zuwanderer nicht mehr funktionieren würde, ist die migrationsfeindliche AfD die stärkste politische Kraft. Der Chefökonom des Handelsblatt, Bert Rürup, und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, diskutieren dieses Paradox und kommen zu einem ernüchternden Befund: Die wirtschaftliche Notwendigkeit von Zuwanderung ist für viele Wähler schlicht irrelevant. Die Erklärung liegt nicht in der Ökonomie, sondern in tiefer liegenden gesellschaftlichen und psychologischen Dynamiken.

Das ökonomische Paradox: Wachstum braucht Zuwanderung, Wähler lehnen sie ab

Das zentrale Rätsel des Gesprächs ist die Diskrepanz zwischen objektiver wirtschaftlicher Notwendigkeit und subjektivem Wahlverhalten. In Sachsen-Anhalt tragen Beschäftigte ohne deutschen Pass inzwischen 6,7 Prozent der gesamten Wertschöpfung bei – ein Anteil, der seit 2015 stark gestiegen ist. Ohne diese Arbeitskräfte, so Hüther, ließe sich das Land „mit Bio-Sachsen-Anhaltinern nicht mehr bewirtschaften“. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Deutschen ist seit 2016 um fünf Prozent gesunken; der Zuwachs kommt fast ausschließlich von ausländischen Staatsbürgern, die vor allem in zentralen Mangelberufen arbeiten.

Continue reading the full summary in the app — free to try.

Read Full Summary →

Free • No credit card required

What you'll learn

  • 1 (00:00) **Introduction and Setup** - Bert Rürup and Michael Hüther open the episode, framing the puzzle of AfD success in a region facing severe demographic decline.
  • 2 (02:58) **The Broader Context: Not Just an East German Phenomenon** - Hüther argues the AfD’s rise is part of a wider Western malaise, citing Baden-Württemberg and Brexit as comparable cases.
  • 3 (05:10) **Rejecting the “Ost-Identität” Excuse** - Rürup expresses visceral frustration with the pseudo-East German identity narrative used by the AfD.
  • 4 (06:31) **The Failure of Mainstream Parties** - Hüther pivots to the responsibility of the democratic center, arguing the AfD’s success is as much about the failures of others.
  • 5 (11:08) **The Core Frustration: Analysis is Irrelevant** - Rüther and Hüther agree that their economic analysis, however clear, has zero impact on voting behavior.
  • 6 (12:54) **A Historical Intervention: The Magnus Brechtken Interview** - Rürup recommends a recent interview with historian Magnus Brechtken, which he says cuts through the usual “Ost-befindlichkeit” (East German sensitivity) narrative.
  • 7 (14:57) **Acknowledging Real Grievances Without Legitimizing the AfD** - Hüther concedes that West Germany made mistakes during reunification, but insists these do not justify a vote for the AfD.

+ Full timestamped outline available in the app

Show Notes

In dieser Folge von Economic Challenges beschäftigen sich Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, mit einem ökonomischen Paradoxon: Ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, dem Bundesland mit der ältesten Bevölkerung Deutschlands, dessen Wertschöpfung zu fast sieben Prozent von ausländischen Beschäftigten getragen wird, erzielt die AfD Rekordwerte – obwohl ihr Programm auf Rückführung statt Zuwanderung setzt.

Hüther verweist auf Zahlen des IWH Halle: Ohne den Beschäftigungszuwachs ausländischer Arbeitskräfte wäre die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Land seit 2016 massiv eingebrochen. Er ordnet den AfD-Erfolg in einen europäischen Trend ein – von Reform UK bis zu rechten Bewegungen infolge großer Transformationsprozesse – und sieht Parallelen zu den 1920er-Jahren. Zugleich kritisiert er die Berufung auf eine „Ostidentität“ als historisch unbegründet: „Menschen die jetzt irgendwelche Ostidentitäten aufrufen und dann aber viel Nachsehen für Putin haben, sind im Kern vaterlandslose Gesellen.“

Rürup erinnert daran, dass die AfD als Anti-Euro-Partei gegründet wurde und trotz des ökonomischen Erfolgs der Gemeinschaftswährung nun mit einem neuen Feindbild reüssiert. Beide sehen die demokratische Mitte in der Pflicht, überzeugende Antworten auf Transformationsängste zu liefern – ohne allzu optimistisch zu sein.

Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther

Produziert von Pauline Köster


Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Economic Challenges: https://www.handelsblatt.com/global

Weitere Informationen zu Werbeeinblendungen

Handelsblatt Economic Challenges - Podcast über Wirtschaft, Konjunktur, Geopolitik und Welthandel