Handelsblatt Economic Challenges - Podcast über Wirtschaft, Konjunktur, Geopolitik und Welthandel
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„Die Antwort liegt in Europa“ – Warum Deutschland nicht allein aus der Krise kommt

August 28, 2026

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„Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten Deutschlands sind nicht so schlecht, wie sie in Veröffentlichungen beschrieben werden, aber gut sind sie deswegen auch nicht.“ Mit diesen drei Sätzen beginnt Chefökonom Bertrand regelmäßig Vorträge über den Standort Deutschland. Der seit Jahrzehnten erwartete Alterungsschub durch das Ausscheiden der Babyboomer hat eingesetzt – und kann diesmal nicht wie in der Vergangenheit durch Zuwanderung kompensiert werden. Zugleich ist das über 100 Jahre gewachsene deutsche Geschäftsmodell des exportgetriebenen Wachstums an seine Grenzen gestoßen: durch die Zollpolitik der USA, die das Ende des Globalisierungsschubs einleitete, und durch den rasanten Aufstieg Chinas zu einer veritablen Industriemacht, die den Weltmarkt mit qualitativ hochwertigen, aber preisgünstigen Produkten überschwemmt. Die Folge: Deutschland allein kommt aus dieser Misere nicht mehr heraus. Die Antwort, so die These des Gesprächs, liegt in Europa.

Die neue geopolitische Landkarte: China als Systemkonkurrent

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What you'll learn

  • 1 (00:00) **Opening: Three Grim Diagnoses for Germany** - Host Bertrand tees up the episode by stating the three structural problems he always opens with: the mediocre outlook, the demographic aging shock, and the end of Germany’s export-driven model.
  • 2 (02:52) **A Note of Caution: Recent Growth Data** - Michael Hüter pushes back against the dystopian framing by pointing to three consecutive quarters of modest but real growth.
  • 3 (04:11) **The Real Challenge: China’s Systemic Competition** - Hüter deepens the diagnosis, arguing China is not just a competitive pressure but a normative challenge to the market-economy model.
  • 4 (07:23) **The End of Ordnungspolitische Predigten** - Hüter argues that repeating textbook economic principles is no longer an adequate answer to geopolitical, decarbonization, and China challenges.
  • 5 (10:36) **The Core Thesis: The Answer Lies in Europe** - Bertrand pivots to the central argument: the solution is not national but European, and the data on intra-regional trade supports this.
  • 6 (13:22) **Europe’s Structural Advantage: High Intra-Regional Trade** - Hüter presents a key data point: Europe’s intra-regional trade share is 63%, higher than North America’s 50%, making Europe uniquely self-sufficient.
  • 7 (15:44) **The Euro as a Geopolitical Asset** - Hüter expands the European argument to the currency level, arguing the euro has untapped potential as a global reserve and transaction currency.

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Show Notes

In dieser Folge von Economic Challenges analysieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, die strukturellen Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche. Rürup benennt drei Grundprobleme. Die konjunkturellen Aussichten seien zwar nicht so düster wie vielerorts beschrieben, aber wirklich gut seien sie nicht. Der demografische Alterungsschub durch den Abgang der Babyboomer wirkt als Wachstumsbremse und das jahrzehntealte Exportmodell stößt an seine Grenzen – unter dem Druck von Trumps Zollpolitik und dem Aufstieg Chinas zur hochinnovativen Industriemacht.

Hüther sieht dagegen erste Stabilisierungszeichen: Das dritte Quartal in Folge zeige robustes Wachstum von rund 0,3 Prozent, der innereuropäische Handel kompensiere teilweise die Rückgänge des Handels mit den USA und China. Die eigentliche Frage, so Hüther, sei jedoch, mit welchem wirtschaftspolitischen Konzept Deutschland und Europa auf die neuen Herausforderungen antworten – von der Resilienz bei kritischen Rohstoffen bis zum Umbau der Stahlindustrie.

Einigkeit herrscht in einem Punkt: Die Zukunft liege nicht in nationalen Lösungen. „Wir müssen uns von der Kategorie des Nationalökonomischen lösen. Die Antwort liegt in Europa“, so Rürup. Der intraregionale Handel in Europa macht 63 Prozent des gesamten Außenhandels aus. Dieses Stärkeargument wird Rürup und Hüther zufolge jedoch politisch zu wenig genutzt.

Im Zentrum steht auch die Frage, ob der Euro zur globalen Leitwährung aufsteigen könnte. Der Trump-Schock und die Schwächung des Dollars befeuern die Debatte. Hüther sieht eine historische Chance für den Euro als Reservewährung und plädiert für ein sicheres europäisches Anlageprodukt, möglicherweise in Form von Eurobonds. Rürup schließt sich dem Gedanken an. Er wundert sich, dass ausgerechnet Deutschland, das Land mit der größten Außenhandelsabhängigkeit, diesen Weg so beharrlich blockiert.

Moderiert von Bert Rürup und Michael Hüther

Produziert von Leonard Dumke


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