Handelsblatt Crime - spannende Streitfälle der deutschen Wirtschaft
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Vorkasse, Prominente, Pleite – wie Teldafax jahrelang durchkam

August 23, 2026

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Vorkasse, Prominente, Pleite – wie Teldafax jahrelang durchkam

Es begann mit einem Anruf bei einem Privatdetektiv, der dem Handelsblatt-Investigativchef Sönke Iversen am Telefon eine verlockende Frage stellte: Ob er vielleicht an einem Unternehmen interessiert sei, dessen Chef in Haft sitze? Iversen fuhr nach Frankfurt, traf sich mit dem Detektiv – und verließ das Büro wenig später mit zwei vollen Plastiktüten voller Akten. Es war der Anfang einer der größten Wirtschaftsskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte: der Fall Teldafax.

Der Mann im Hintergrund: Michael Josten

Michael Josten, 1953 in Wuppertal geboren, war Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Nach der Wende eröffnete er eine Kanzlei in Halle, engagierte sich in der CDU und baute die Secure Finanz AG auf, die geschlossene Immobilienfonds vertrieb. Als die Fonds Mitte der 1990er Jahre in Liquiditätsprobleme gerieten, stopfte Josten die Löcher mit dem Geld neuer Anleger – ein klassisches Schneeballsystem. Am Ende hingen 3.000 Anleger mit rund 70 Millionen Mark in der Luft.

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What you'll learn

  • 1 (00:05) **Der Fall Teldafax: Einführung und die Rolle von Michael Josten** - Einleitung der Geschichte: Der Stromanbieter Teldafax wird mit Rudi Völler beworben, geht aber 2011 pleite. Im Hintergrund steht Michael Josten, ein wegen 176-fachen Betrugs Verurteilter.
  • 2 (03:13) **Die Recherche beginnt: Ein Anruf und Plastiktüten voller Akten** - Sönke Iversen erhält einen Tipp von einer zwielichtigen Quelle, die ihn zu umfangreichen, geheimen Unterlagen über Teldafax führt.
  • 3 (07:25) **Das Geschäftsmodell: Billigstrom per Vorkasse und Michael Jostens kriminelle Vergangenheit** - Jürgen Flauger erklärt, wie Teldafax mit extrem günstigen Vorkasse-Tarifen Kunden lockte. In den Akten finden die Reporter ein Urteil gegen Michael Josten.
  • 4 (15:32) **Justins Freilassung: Anlegergelder zahlen die Kaution** - Josten kommt in der Schweiz gegen eine Kaution von 800.000 Franken frei, die von einer Firma (SwissFact) bezahlt wird, die wiederum Geld von Anlegern des DB Select Fonds verwaltet.
  • 5 (18:47) **Teldafax neu aufgelegt: Ein verbranntes Unternehmen für den Strommarkt** - Josten belebt den bereits pleitegegangenen Namen Teldafax wieder, diesmal im liberalisierten Strommarkt.
  • 6 (23:35) **Prominente Werbung: Bayer Leverkusen und Rudi Völler** - Teldafax nutzt prominente Werbepartner wie Bayer Leverkusen (Trikotsponsor) und Rudi Völler, um Seriosität vorzutäuschen.
  • 7 (26:43) **Der Wetten-Dass-Skandal: Bezahlte Werbung beim ZDF** - Teldafax schließt einen Vertrag mit der Firma von Thomas Gottschalks Bruder, um in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ platziert zu werden – für 1,5 Millionen Euro.

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Show Notes

Es ist der 14. Juni 2011. Der Energieanbieter Teldafax stellt beim Amtsgericht Bonn Insolvenzantrag. Hunderttausende Kunden sind betroffen. Viele haben ihren Strom im Voraus bezahlt. Die Gesamtforderung der Gläubiger beläuft sich auf 656 Millionen Euro.

Dabei war das Unglück absehbar. Intern wussten Vorstand und Aufsichtsrat spätestens im Sommer 2009, dass Teldafax zahlungsunfähig war. Die Bundesnetzagentur hatte früh gewarnt, das Hauptzollamt die Bücher durchleuchtet. Und ein verurteilter Betrüger saß im Gefängnis – und nahm trotzdem Einfluss auf das Unternehmen.

In dieser Folge von Handelsblatt Crime spricht Host Solveig Gode mit den Handelsblatt-Reportern Sönke Iwersen und Jürgen Flauger, die den Fall 2010 aufdeckten. Es geht um ein Geschäftsmodell, das auf Vorkasse und erzwungenem Wachstum beruhte, mit Prominenten als Vertrauensgaranten – von Rudi Völler über Thomas Gottschalk bis Ole Einar Björndalen. Im Zentrum steht die Frage, wie ein solches System trotz früher Warnzeichen jahrelang weiterlaufen konnte.

Moderiert von Solveig Gode

Produziert von Christian Heinemann

Mehr über die Teldafax-Recherchen von Sönke Iwersen und Jürgen Flauger gibt es hier.


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