Sonderfolge: Interview mit Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes über Recherche, Klagen und KI
August 2, 2026
AI Summary
5 min readIn der Handelsblatt-Redaktion gibt es eine Regel, die Chefredakteur Sebastian Matthes im Podcast mit Host Ina Karabasz offenlegt: Wenn ein Investigativteam eine große Geschichte verfolgt, sind die ersten Monate nicht dem Beweis der These gewidmet, sondern dem Versuch, sie zu widerlegen. Bei den Tesla-Files, einem der größten Leaks der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte, arbeiteten zehn Redakteure zwei bis drei Monate lang ausschließlich daran, die Echtheit der Daten zu falsifizieren. „Woche für Woche kam immer wieder raus: Nein, die Zahlen stimmen“, sagt Matthes. Die Angst, auf einen modernen Hoax hereinzufallen, habe ihn sechs Monate lang nicht losgelassen.
Die Mechanismen einer Großrecherche
Matthes beschreibt, wie sich die Arbeit des Investigativjournalismus in den letzten Jahrzehnten fundamental verändert hat. Früher basierten große Enthüllungen oft auf mündlichen Aussagen und vertraulichen Gesprächen. Heute, so Matthes, basieren 95 Prozent der großen Fälle auf verifizierten Dokumenten. Die Digitalisierung hat die Beschaffung erleichtert – Screenshots und digitale Leaks sind alltäglich –, aber auch die Verifikation erschwert. Wasserzeichen, manipulierte Metadaten und KI-generierte Inhalte machen die Prüfung aufwändiger.
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What you'll learn
- 1 (00:11) **Introduction & Personal Connection** - Host Ina introduces the special summer episode with Handelsblatt editor-in-chief Sebastian Matthes and they discuss personal listening habits and the intimate nature of audio.
- 2 (05:52) **The Tesla Files: A Sleepless Investigation** - Matthes reveals the Tesla Files investigation as the story that kept him awake for months, driven by fear of a modern "Hitler Diaries" forgery.
- 3 (10:05) **The Price of Being Wrong** - Matthes explains the real consequences of an investigative error, including stock market reactions and massive lawsuits from the world's richest man.
- 4 (12:57) **Defining "Public Interest"** - The core question before any investigation: is there a legitimate public interest that justifies the risk?
- 5 (14:27) **Why Trust in Media Has Eroded** - Matthes argues that the media industry itself made two key mistakes that fueled public frustration.
- 6 (19:25) **The First Questions an Editor Asks** - When a reporter brings a big story, Matthes starts with source security and the motive behind the leak.
- 7 (22:50) **The Biggest Blind Spot in German Business Crime** - Matthes identifies the theft of intellectual property by foreign intelligence services as the most underestimated threat.
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Guests on this episode
Show Notes
In dieser Sonderfolge spricht Host Ina Karabasz nicht über einen Wirtschafts-Kriminalfall, sondern über das Handelsblatt selbst. Und zwar mit dem Mann, der am Ende für alles geradesteht: Chefredakteur Sebastian Matthes. Er ist verantwortlich im Sinne des Presserechts.
Matthes spricht über die Risiken großer Recherchen, etwa bei den Tesla-Files, wo das Team monatelang versuchte, das Material zuerst zu widerlegen. „Wir wollten alles dafür tun, um zu beweisen, dass diese Daten falsch sind, dass sie erfunden sind“, sagt Matthes.
Im Gespräch geht es auch um investigatives Handwerk, persönliche Grenzen zwischen Aufklärung und Unterhaltung, rechtliche Risiken, Vertrauen in Medien und die Frage, wie KI den Journalismus verändert. „Wenn es keine investigative Wirtschaftsberichterstattung gibt, dann haben alle Stakeholder dieses Systems keinen ehrlichen Blick darauf, was wirklich passiert, weil Unternehmen alles behaupten können und Machenschaften niemals an die Öffentlichkeit kommen“, sagt Matthes.
Moderation: Ina Karabasz
Produktion: Christian Heinemann
Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Crime: https://www.handelsblatt.com/mehrjournalismus
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