F.A.Z. Löhr & Pennekamp
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Ifo-Chef Fuest warnt die Regierung: „Es muss eine Trendwende geben“

July 25, 2026

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„Es muss eine Trendwende geben“ – Ifo-Chef Fuest über Deutschlands wirtschaftliche Schieflage

Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, sieht Deutschland in einer „nicht nachhaltigen Entwicklung“. Die Staatsausgaben steigen, die privaten Investitionen fallen – und die Politik reagiere nicht angemessen. Im Gespräch mit F.A.Z.-Korrespondentin Julia Löhr warnt Fuest vor einem Kollaps der Staatsfinanzen, kritisiert die mangelnde Reformbereitschaft und erklärt, warum er seine umstrittenen Aussagen zu Elterngeld und Intel-Subventionen nicht bereut.

Die gescheiterte Trendwende: Staatsquote steigt, Investitionen sinken

Fuest präsentiert eine Grafik, die im Kanzleramt für Aufsehen sorgte: Bis 2019 verliefen Staatskonsum und private Investitionen parallel zur Wirtschaftsleistung. Danach klaffte eine Lücke – die Staatsausgaben explodierten, während die privaten Investitionen auf das Niveau von 2015 zurückfielen. „Das zeigt, dass wir eine Fehlentwicklung haben, die unter keiner Regierung durchzuhalten ist“, sagt Fuest. „Bei immer steigenden Staatsausgaben hat man irgendwann so große Löcher in den öffentlichen Kassen, dass alles nicht mehr funktioniert. Bei sinkenden Investitionen sinkt die Fähigkeit dieser Volkswirtschaft, überhaupt noch zu produzieren und den Staat zu finanzieren.“

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What you'll learn

  • 1 (00:03) **Intro & Kanzler Merz: Wahrnehmung vs. Handeln** - Clemens Fuest bewertet, ob Merz wirtschaftliche Signale aufnimmt.
  • 2 (02:09) **Diagnose: Stimmung vs. Lage** - Fuest hält die negative Stimmung in der Wirtschaft für angemessen.
  • 3 (04:52) **Zeugnis für die Regierung: Bewegung, aber kein Durchbruch** - Fuest bewertet die bisherigen Reformschritte der Koalition.
  • 4 (06:36) **Steuerreform & Subventionen: "Die Spielräume sind nicht ausgeschöpft"** - Fuest widerspricht Merz' Aussage, man habe das Machbare bei den Steuersenkungen ausgereizt.
  • 5 (10:03) **Konkrete Kürzungsvorschläge & der "Elterngeld-Shitstorm"** - Fuest verteidigt seine umstrittene Aussage, das Elterngeld sei "nice to have".
  • 6 (13:59) **Weitere Sparpotenziale & die Rentenlüge** - Fuest benennt weitere Ausgabenposten und die ungleiche Lastenverteilung bei der Rente.
  • 7 (19:12) **Die "Killer-Grafik": Staatskonsum vs. private Investitionen** - Fuest erklärt die zentrale Grafik, die im Kanzleramt kursierte.

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Guests on this episode

Show Notes

Löhr & Pennekamp – Der wirtschaftspolitische Podcast der F.A.Z.

Die Koalition arbeite jetzt besser als im Frühjahr, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Er warnt aber auch: Wenn der Anstieg der Ausgaben nicht gestoppt werde, drohe der Kollaps der Staatsfinanzen.

Gut eine Woche ist sie her, die traditionelle Sommerpressekonferenz des Kanzlers. Friedrich Merz (CDU) hat darin ein positives Bild der Regierungsarbeit und des Stands der Reformen gezeichnet. „Die Koalition hat Tritt gefasst“, sagte Merz – aber auch, dass manche Reformen länger dauerten als gedacht und noch vieles für den Herbst auf der To-do-Liste stehe.

Der Ökonom Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, hat im Berliner Regierungsviertel viel Einfluss. Nach der Bundestagswahl im Februar 2025 hat er das Konzept mitgeschrieben, mit dem die Schuldenbremse für die Verteidigungsausgaben gelockert und der 500 Milliarden Euro große Schuldentopf für die Modernisierung der Infrastruktur geschaffen wurde. Später hat er die Zweckentfremdung dieser Mittel kritisiert, nach dem verunglückten Koalitionsausschuss im April in der Villa Borsig gar zu Neuwahlen geraten, falls die Koalition nicht mehr auf den Reformweg finde.

Julia Löhr hat in einer Sonderausgabe des Podcasts „Löhr & Pennekamp“ mit Fuest darüber gesprochen, wie er zu Beginn der politischen Sommerpause auf die bisherige Regierungsbilanz blickt. „Erstaunlich gut zusammengerauft“ habe sich die Koalition, findet der Ökonom. Aber im Detail sieht Fuest auch viele Punkte kritisch.

Vor allem der Anstieg der Staatsausgaben bereitet ihm Sorge. „Nur wenn der Staat wirklich weniger ausgibt, können wir auch auf Steuer- und Aufgabenentlastung hoffen.“ Dass der Kanzler in seiner Sommerpressekonferenz sagte, die Möglichkeiten für Einsparungen seien ausgeschöpft, kann Fuest nicht nachvollziehen.

Er macht konkrete Vorschläge, welche Ausgaben verzichtbar wären. Ein Beispiel ist das Elterngeld. Dass Menschen mit mehr als 100.000 Euro Jahreseinkommen wirklich solch eine Sozialleistung benötigen, bezweifelt Fuest. Und er hinterfragt die Anspruchshaltung der Gesellschaft, die dahintersteht. Mehr Mut hätte er sich auch bei der Rentenreform gewünscht, die aus Sicht von Fuest die Babyboomer zu sehr schont. Steigende Staatsausgaben und sinkende private Investitionen – wenn diese Entwicklung der vergangenen Jahre nicht gestoppt werde, dann drohe Deutschland der Kollaps, warnt der Ökonom die Koalitionäre in Berlin.

Redaktion und Produktion: Julia Löhr, Kati Schneider, Kevin Gremmel, Witefield Alle Folgen von „Löhr & Pennekamp“ können Sie hören und im Video sehen, auf Apple Podcasts, Spotify, Youtube, FAZ.NET oder in der F.A.Z.-App. Wir freuen uns über Fragen und Anmerkungen, am besten per Mail an [email protected].

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