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5 min readBürger zweiter Klasse? Die Rente, der Frust und die AfD
Der siebenjährige Sohn von Johannes Pennekamp war mit der Oma im Eichsfeld unterwegs und wollte sehen, wo früher die innerdeutsche Grenze verlief. Die Dörfer auf der Ostseite sahen 36 Jahre nach der Wiedervereinigung genauso aus wie auf der Westseite. Aber etwas Unsichtbares konnte er nicht sehen: In Duderstadt auf der Westseite gewann bei der letzten Bundestagswahl die CDU. Ein paar Kilometer weiter in Thüringen gewann die AfD. Diese unsichtbare Grenze ist das Thema dieser Folge.
Die Zahlen sagen etwas anderes als das Gefühl
Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Ost und West sind real, aber kleiner als oft behauptet. Die Durchschnittsrente liegt im Osten bei etwas mehr als 1.800 Euro, im Westen bei knapp 1.900 Euro – ein Unterschied von etwa fünf Prozent. Das mittlere Jahresgehalt für eine Vollzeitstelle beträgt im Osten 46.000 Euro, im Westen 55.000 Euro. Dafür sind die Lebenshaltungskosten im Osten im Schnitt 13 Prozent niedriger, vor allem bei Mieten: In vielen ostdeutschen Regionen liegen Bestandsmieten unter sechs Euro pro Quadratmeter.
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What you'll learn
- 1 Bürger zweiter Klasse? Die Rente, der Frust und die AfD
- 2 (00:03) **Persönliche Anekdote als Einstieg** - Pennekamp erzählt von einem Ausflug mit seinem Sohn an die ehemalige innerdeutsche Grenze und dem sichtbaren Unterschied im Wahlverhalten zwischen West und Ost
- 3 (01:51) **Themenaufriss: Rente mit 63 und Ost-West-Gefälle** - Die Moderatoren stellen die These auf, dass die Debatte um die Rente mit 63 als Stellvertreter für tiefere Ost-West-Unterschiede und Frustrationen dient
- 4 (05:18) **Die Zahlen: Ost-West-Unterschiede sind kleiner als gefühlt** - Löhr präsentiert die Faktenlage: Die objektiven wirtschaftlichen Unterschiede erklären das Gefühl des Abgehängtseins nur teilweise
- 5 (07:01) **Ausgleichende Faktoren: Günstigeres Wohnen im Osten** - Trotz niedrigerer Löhne ermöglichen niedrigere Lebenshaltungskosten einen ähnlichen Lebensstandard
- 6 (08:16) **Daseinsvorsorge und demografische Schrumpfung** - Die Versorgung mit Infrastruktur ist in ländlichen ostdeutschen Regionen besonders schlecht, während ostdeutsche Städte teilweise besser abschneiden als westdeutsche
- 7 (09:54) **Das Gefühl der Missachtung als entscheidender Faktor** - Abstiegsängste und das Gefühl, nicht respektiert zu werden, sind in Ostdeutschland deutlich stärker ausgeprägt als im Westen
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Show Notes
Die Rebellion der Ost-Ministerpräsidenten bei der Rente und die Umfragerekorde der AfD befeuern die Frage, wie abgehängt der Osten wirtschaftlich eigentlich ist – und ob der Durchmarsch der Rechten noch zu stoppen ist.
Die Bundesregierung plant die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren – und die Ost-Ministerpräsidenten rebellieren. Sowohl die CDU-Regierungschefs als auch ihre Amtskollegen der SPD fordern Änderungen an den Plänen und drohen mit Widerstand im Bundesrat. Der Vorwurf: Wieder einmal würden die Biographien der Ostdeutschen in Berlin nicht hinreichend beachtet. Wieder einmal würden ihre Arbeit und Lebensleistung entwertet.
Ist das tatsächlich so – oder alles nur Wahlkampf vor den anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin? Und welche Rolle spielt die AfD, die Stimmung macht gegen die Rentenpolitik der Regierung und so auf Stimmenfang geht? Die in Teilen gesichert rechtsextreme Partei liegt in den Umfragen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern weit vorn. Ob es im September zur absoluten Mehrheit reichen wird, bleibt abzuwarten.
Im F.A.Z.-Podcast „Löhr & Pennekamp“ nehmen die Hosts Julia Löhr und Johannes Pennekamp die aktuelle Debatte zum Anlass für eine Analyse, wie groß die wirtschaftlichen Unterschiede hinsichtlich Rente, Vermögen und Lebenshaltungskosten zwischen Ost und West heute eigentlich noch sind. Sie beschreiben zudem, wie die Stimmung der Menschen kurz vor den anstehenden Landtagswahlen ist, am Beispiel eines AfD-Bürgerdialogs in Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern). Und sie sprechen mit einem Ökonomen, der sagt: Manche Dörfer sollte man besser schließen.
Hosts: Julia Löhr und Johannes Pennekamp
So groß sind die Unterschiede in der Daseinsvorsorge
So groß sind die Unterschiede im Vermögen
Wichtige Indikatoren im Ost-West-Vergleich
Ökonomische Studie zur Funktionsweise des rechten Populismus
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