BSI-Präsidentin Claudia Plattner: „Wir stellen uns auf raues Wetter ein”
July 1, 2026
AI Summary
5 min readClaudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), sieht die Cybersicherheitslage durch KI grundlegend verändert. Wo früher der Hacker im Keller mit Pizzakartons das Klischee war, agieren heute hochprofessionelle, organisierte Verbrecherbanden und staatlich gesteuerte Gruppen. KI beschleunigt diese Entwicklung massiv – und zwingt Verteidiger zu einem grundlegenden Umdenken.
Warum KI die Bedrohungslage verschärft
Plattner beschreibt einen entscheidenden Mechanismus: KI-Modelle wie Anthropics „Claude“ oder das in der Diskussion stehende „Mythos“-Modell sind in der Lage, selbstständig Schwachstellen in Software zu finden und Wege zu deren Ausnutzung zu entwickeln. Das war für das BSI keine Überraschung, sondern eine Frage des Zeitpunkts. Die eigentliche Gefahr liegt in der Geschwindigkeit: „Wir gehen davon aus, dass die Zeit zwischen, man hat eine Schwachstelle gefunden und sie wird auch ausgenutzt, sich wirklich massiv verkürzen wird.“ Während Unternehmen und Behörden an Patch-Zyklen von 90 Tagen und aufwändigen Freigabeprozessen festhalten, haben Angreifer keine solchen Regeln. Sie können tausend Versuche starten – einer reicht. KI gibt ihnen einen echten Geschwindigkeitsvorteil.
Continue reading the full summary in the app — free to try.
Read Full Summary →Free • No credit card required
Never miss an episode of F.A.Z. Künstliche Intelligenz
Get every new episode summarized in your inbox — free, ~5 minutes to read.
No spam. Unsubscribe anytime.
What you'll learn
- 1 Timestamped Outline: BSI-Präsidentin Claudia Plattner zur KI-Sicherheitslage
- 2 (02:10) **KI-Agenten und fehlende Identitätskontrolle** - Plattner nennt ihre konkrete Sorge: Identity- und Access-Management für KI-Systeme sei noch unzureichend entwickelt
- 3 (05:38) **Wie KI die Bedrohungslage verändert** - Plattner beschreibt den „Mythos-Moment“ seit ChatGPT und die neue Realität für die Cybersicherheit
- 4 (08:24) **Praktische Erfahrung mit KI-Modellen zur Schwachstellensuche** - Plattner erklärt, warum der Umgang mit KI-Tools Übung braucht und wo die Grenzen liegen
- 5 (10:52) **Wer ist schneller: Angreifer oder Verteidiger?** - Plattner analysiert den strukturellen Geschwindigkeitsvorteil der Angreifer
- 6 (13:33) **Forschung als Wettbewerbsvorteil?** - Plattner sieht Potenzial, aber ein typisch deutsches Problem
- 7 (15:21) **Abwanderung der Spitzenforscher** - Plattner zum Problem der Gehaltsstrukturen in Deutschland
+ Full timestamped outline available in the app
Show Notes
Wie verändert generative KI die Bedrohungslage für Unternehmen und staatliche Institutionen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der neuen Folge des F.A.Z. KI-Podcasts mit Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Im Gespräch warnt sie angesichts der neuen Qualität von KI-gestützten Cyberangriffen: „Wir stellen uns auf raues Wetter ein.“ Das Kernproblem der Cyberabwehr sieht sie in einer fundamentalen Asymmetrie: Während Unternehmen durch Freigabeprozesse gebremst würden, agierten kriminelle Netzwerke hochgradig arbeitsteilig und regellos: „Die haben Stand heute einen echten Geschwindigkeitsvorteil“. KI verschärfe dieses Ungleichgewicht weiter, da Angreifer Schwachstellensuche und die entsprechenden Attacken automatisieren und skalieren könnten. Das Bild des Hackers im Kapuzenpullover mit leeren Pizzakartons sei schlicht überholt, so Plattner. Ein konkretes Sicherheitsdefizit sieht die BSI-Präsidentin beim Identitätsmanagement für autonome KI-Agenten. Agieren solche Systeme im Namen von Unternehmen, zum Beispiel beim Versenden von E-Mails oder dem Zugriff auf Webdienste, fehle es noch an robusten Standards, die sicherstellten, dass sie nicht mehr täten als erlaubt. „Da sehe ich noch zu wenig Bewegung“, mahnt sie und verweist auf den Hauptgrund: „Im Moment haben natürlich auch alle Dollarzeichen in den Augen.“ Zudem weist sie auf ein weiteres strukturelles Risiko hin: Wer Firmenwissen ohne entsprechende Einschränkung bezüglich der Datenverwendung in KI-Systeme eingebe, riskiere, dass Daten an Wettbewerber abfließen. Europa müsse deshalb eigene Foundation Models entwickeln. Um der veränderten Bedrohungslage insgesamt zu begegnen, setzt das BSI auf den Ausbau staatlicher Strukturen, auch mit dem neuen AI Security Institut. Ziel sei es, neue KI-Modelle systematisch zu bewerten und sich im internationalen Verbund auszutauschen. Daneben setze das BSI auf den sogenannten „Cyberdome“: Phishing-Domänen sollen automatisch erkannt und blockiert werden, bevor Nutzer sie überhaupt aufriefen. Was heute noch Handarbeit sei, solle künftig vollautomatisiert ablaufen: Auffälligkeiten erkennen, Handlungsempfehlungen durch Analysen generieren und entsprechende Aktionen ausführen. Geplant seien auch systematische Scans auf Schwachstellen in der deutschen Netzinfrastruktur.Mit Blick auf die Zukunft schätzt Plattner zudem die Risiken durch Quantencomputing ein, wodurch gängige Verschlüsselungsverfahren zukünftig entschlüsselbar werden könnten. Das BSI empfiehlt daher, sensible Datenbestände bis 2030 auf neue Verfahren umzustellen. Die BSI-Chefin nimmt die Unternehmen in die Pflicht: „Wir nehmen das ernst. Tut ihr es auch.“
Die Folge ist Teil unseres Podcasts „Künstliche Intelligenz“. Er geht den Fragen nach, was KI kann, wo sie angewendet wird, was sie bereits verändert hat und welchen Beitrag sie in der Zukunft leisten kann. Hosts des Podcasts sind Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinforma
More from this podcast
F.A.Z. Künstliche Intelligenz →