bto – der Ökonomie-Podcast von Dr. Daniel Stelter
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Aus PISA nichts gelernt

September 16, 2026

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Aus PISA nichts gelernt

"Wenn sie versuchen wollen, langfristig zu verstehen, warum einige Länder reich geworden sind und andere eher arm bleiben, dann kommen sie gar nicht drum herum, über Bildung zu reden." Mit diesem Satz eröffnet Professor Ludger Wößmann vom ifo-Institut ein Gespräch, das Daniel Stelter aus aktuellem Anlass wiederholt: Die PISA-Ergebnisse sind erneut schlechter geworden, und was der Bildungsökonom vor Jahren sagte, gilt heute verstärkt. Die eigentliche Nachricht sei nicht der Punktverlust, sondern was dahintersteckt: Immer mehr 15-Jährige unterschreiten die Grundkompetenzniveaus, und die Leistungen liegen inzwischen unter dem Niveau des PISA-Schocks vor 25 Jahren.

Was Bildungsleistungen mit Wohlstand zu tun haben

Wößmann erklärt den Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum präzise. Früher habe man Bildung an den durchschnittlichen Schuljahren der Bevölkerung gemessen – ein unscharfer Indikator, weil in einem Schuljahr international extrem unterschiedlich viel gelernt wird. Entscheidend sei, was tatsächlich gelernt wurde, das "Wissenskapital der Nation". Wenn man die Ergebnisse von Schülerleistungstests mit den langfristigen Wachstumsraten der Volkswirtschaften vergleiche, ließen sich über drei Viertel der Unterschiede zwischen reichen und armen Ländern statistisch erklären.

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What you'll learn

  • 1 (00:05) **Prolog: Die erneute PISA-Krise als Anlass** - Daniel Stelter führt in die Wiederholung eines Gesprächs mit Bildungsökonom Ludger Wößmann ein, motiviert durch die erneut gesunkenen PISA-Ergebnisse.
  • 2 (06:14) **Bildung als Wissenskapital der Nation** - Wößmann erklärt den grundlegenden ökonomischen Zusammenhang zwischen gemessenen Kompetenzen und langfristigem Wohlstand.
  • 3 (10:43) **PISA und TIMSS: Die Bedeutung der Basiskompetenzen** - Der Gast erläutert die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden großen Leistungstests und ihre hohe Aussagekraft.
  • 4 (13:31) **Der Abstieg seit dem PISA-Schock: Ein umgekehrtes U** - Wößmann zeichnet die Entwicklung der deutschen Schülerleistungen von der Jahrtausendwende bis heute nach.
  • 5 (18:49) **Ursachen für den Abstieg: Demografie vs. Systemversagen** - Der Moderator fragt nach den Gründen für den Rückgang, insbesondere nach dem Einfluss von Migration und sozioökonomischem Hintergrund.
  • 6 (24:03) **Was tun? Gezielte Förderung statt Geldgeschenke** - Wößmann diskutiert effektive Maßnahmen gegen Bildungsungerechtigkeit, basierend auf empirischer Forschung.
  • 7 (30:01) **Systemische Hürden: Lehrermangel, Sprachförderung und Segregation** - Die Diskussion wendet sich den strukturellen Problemen des deutschen Systems zu.

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Show Notes

Seit dem Jahr 2000 führt die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) alle drei Jahre das Programm zur internationalen Schülerbewertung durch. Die OECD untersucht dabei die Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. In Deutschland ist dieser Vorgang besser unter seiner englischen Abkürzung PISA bekannt und der Veröffentlichung des PISA-Zeugnisses wird hierzulande mittlerweile mit großem Unbehagen entgegengesehen. Sehr zu Recht, wie sich Anfang September 2026 erneut gezeigt hat. Die Ergebnisse sind verheerend. Seit Beginn des Programms hatte Deutschland noch nie derart schlechte “Zensuren” – gegenüber 2022 minus 7 Punkte in Naturwissenschaften, minus 15 Punkte im Lesen und minus 11 Punkte in Mathematik.

Aber das ist noch nicht die ganze Hiobsbotschaft. Neben dem Fakt, dass fast 21 Prozent der deutschen Schüler in allen drei Bereichen leistungsschwach sind, bleibt die soziale Ungleichheit ganz besonders auffällig. Zwischen dem sozial privilegiertesten und dem benachteiligtesten Viertel liegen in Naturwissenschaften 125 Punkte. Im OECD-Durchschnitt sind es nur 85 Punkte. Der sozioökonomische Hintergrund erklärt in Deutschland 19 Prozent der Leistungsunterschiede, während es im OECD-Durchschnitt lediglich 12 Prozent sind.

Die Bildungsmisere war im September 2023 Thema des Gesprächs zwischen Daniel Stelter und Dr. Ludger Wößmann, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, in Folge 207. Angesichts der wiederholten deutschen PISA-Katastrophe ist es Zeit für ein bto REFRESH mit einem der renommiertesten Bildungsforscher der Welt.

Hinweis
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Hörerservice
bto-Podcast #207 Setzen, Sechs! (September 2023) mit Prof. Dr. Ludger Wößmann: https://t1p.de/dme49

Ländernotiz Deutschland PISA 2025 – Ergebnisse (Band I) der OECD: https://t1p.de/zoidz

Presseinformation INSM-Bildungsmonitor 2026: Sachsen bleibt Bildungssieger, Bayern Vize-Meister der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): https://t1p.de/cfgrr

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